Menschen mit Demenz im gesundheitlichen und pflegerischen Entlassmanagement

Im Jahr 2013 / 2014 wurde für den Kreis Siegen-Wittgenstein, unterstützt vom Demenz-Servicezentrum Region Südwestfalen, ein einheitlicher Pflegeüberleitungsbogen entwickelt. Ausgehend von der "AG Überleitung" der kommunalen Pflegekonferenz hatte man für alle Sektoren ein einheitliches Formular erstellt, welches u.a. wichtige Informationen für die Überleitung von Menschen mit Demenz enthielt. Mit Einführung des Bogens in der ersten Jahreshälfte 2014 wurde deutlich, dass eine Umsetzung des Instruments und eine weitere Beförderung des Themas "Menschen mit Demenz im Krankenhaus" einer fachlichen Begleitung bedarf. Daher unterstützte das Demenz-Servicezentrum Region Südwestfalen die Initiierung des Projektes „Menschen mit Demenz im gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs- und Entlassmanagement“, welches schließlich im Jahr 2015 starten konnte.

Kurzbeschreibung

Projekttitel: „Menschen mit Demenz im gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs- und Entlassmanagement“

Projektlaufzeit von Oktober 2015 bis September 2018

Projektträger: Caritasverband Siegen-Wittgenstein e.V

Projektmittel: Kreis Siegen-Wittgenstein

Projektmodul 1: Einführung, Anpassung und Implementierung eines einheitlichen Pflegeüberleitungsbogens:

Projektmodul 2: Aufklärungskampagne für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz in Bezug auf den Krankenhausaufenthalt

Entwickelte Produkte

Der Pflegeüberleitungsbogen wurde nach Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetztes II (1.1.2017) mit Einführung des veränderten Pflegebedürftigkeitsbegriffes und erhebliche Veränderungen des Begutachtungsverfahrens angepasst.

Der aktuelle Überleitungsbogen entstand in Kooperation der Arbeitsgruppe Pflegeüberleitung der Kommunalen Konferenz Gesundheit, Alter und Pflege im Kreis Siegen-Wittgenstein und dem Projekt „Menschen mit Demenz in der Überleitung“ im Caritasverband Siegen-Wittgenstein e.V. Er beinhaltet die Neuerungen der Pflegereform und geht besonders auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ein. Der einheitliche Bogen gilt für Krankenhäuser, Pflegedienste und Altenheime fördert die Qualität der Versorgung von vielen pflegebedürftigen Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein. Alle wichtigen Angaben zur pflegerischen Versorgung werden in einem Dokument gebündelt und sind bei der Überleitung sofort verfügbar.

Ein Schulungsleitfaden wurde angepasst und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Ein Flyer „Menschen mit Demenz im Krankenhaus – Informationen und Tipps für Angehörige“ wurde erstellt und gedruckt. Er steht über die Projektlaufzeit zur Verfügung.

Eine Zusammenfassung häufig gestellter Fragen (FAQs) in der Beratung bezüglich Menschen mit Demenz und kognitiven Störungen im Krankenhaus wurde erstellt. Diese FAQs liegen auch über die Projektlaufzeit als Dokument zur Verfügung. Mitarbeiter*innen aus unterschiedlichen Sektoren, die in der Beratung tätig sind, wurden hierzu geschult.

Für den Krankenhaussektor wurden wichtige Themen bezüglich alter, verwirrter Menschen im Krankenhaus auf Merkblättern zusammengefasst und stehen über die Projektlaufzeit den Mitarbeiter*innen in den Krankenhäusern zur Verfügung.

Das Thema Rooming-in konnte in einem Informationsblatt zusammengefasst werden.

Ergebnisse / Erkenntnisgewinn aus dem Projekt:

Der einheitliche Pflegeüberleitungsbogen konnte flächendeckend bekannt gemacht werden. Die Implementierung ist in den Krankenhäusern umfänglich gelungen, in der ambulanten Pflege zu einem sehr hohen Anteil.

Die stationären Altenpflegeeinrichtungen konnten in der überwiegenden Mehrzahl nicht dazu gewonnen werden, den Pflegeüberleitungsbogen in ihre vorhandenen Systeme einzufügen. Die Kostenfrage war hier ein wesentlicher Beweggrund.

Für den Bereich der Krankenhäuser werden weiterhin demenzsensible Konzepte vermisst. Es fanden hierzu vereinzelt Beratungen durch die Projektleitung statt. Insgesamt scheinen die Krankenhäuser im Kreis Siegen-Wittgenstein noch unzureichend auf die Patientengruppe der Menschen mit der Nebendiagnose Demenz vorbereitet zu sein. Die Einführung des einheitlichen Pflegeüberleitungsbogens kann hier nur als ein erster Schritt gesehen werden.

Angehörige sind ein wichtiger Ansprechpartner für die Überleitung von (alten) Menschen im gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs- und Entlassmanagement. Informationen für diese Personengruppe konnten durch den Flyer „Menschen mit Demenz im Krankenhaus – Informationen und Tipps für Angehörige“ zur Verfügung gestellt werden und stehen auch über die Projektlaufzeit zur Verfügung.

Die Schulung von Beratenden Mitarbeiter*innen im gesamten Kreisgebiet kann als ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer Unterstützung der Information von Angehörigen gesehen werden.

Museums-Momente im Kreis Siegen-Wittgenstein

Glückliche Momente, die wir gemeinsam genießen, sind die schönsten Geschenke des Lebens. (Alexandra Heinrich)

Seit 2014 bietet das Demenz-Servicezentrum Region Südwestfalen im Caritasverband Siegen-Wittgenstein e.V. mit verschiedenen Kooperationspartnern Museumsbesuche für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und ihren Begleitpersonen an.

Das Bedürfnis nach Kultur und gesellschaftlicher Teilhabe geht nicht mit einer kognitiven Einschränkung oder im Alter verloren. Im Gegenteil – Kunst, Kultur und Musik können Schlüssel zur emotionalen Welt von Menschen mit kognitiven Einschrkänkungen sein. Führungen in Museen bedürfen jedoch bestimmten Voraussetzungen und eine bestimmte Form der Durchführung und Kommunikation. Dann steht glücklichen Momenten nichts mehr im Weg.

Die Ziele des Projektes

Im Mittelpunkt der Museumsbesuche für Menschen mit kognitiven Einschränkungen steht nicht die Wissensvermittlung der im Museum ausgestellten Exponate. Vielmehr sollen im Rahmen solcher Führungen die Ressourcen der betroffenen Menschen im Vordergrund stehen. Ihnen und den Angehörigen soll die Möglichkeit eröffnet werden, auf unterschiedliche Weise Kontakt aufzunehmen, sich auszutauschen und Wertschätzung zu erfahren sowie Zugang zu ihren kreativen Potentialen zu bekommen. So erleben sich die Betroffenen als Teil der Gemeinschaft. Zum Gelingen trägt das für sie nicht alltägliche Umfeld des Museums bei. Pflegende Angehörige erfahren auf diese Weise wie ihre erkrankten Familienmitglieder sich mit ihren Fähigkeiten einbringen können und Teil der Gemeinschaft bleiben.

Die Voraussetzungen für Museumsbesuche von Menschen mit Demenz

Für eine bedürfnisorientierte Durchführung der Museumsbesuche bedarf es Voraussetzungen, die die besondere Situation der Menschen und ihren Ressourcen einbezieht. Dazu zählen:

  • eine geschulte und qualifizierte Begleitung der Menschen mit kognitiven Einschränkungen
  • im Themengebiet Demenz und Umgang und Kommunikation mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen geschulte Kunstvermittler
  • innere und äußere Barrierefreiheit der Durchführenden und der Einrichtungen
  • gezielte Museumsführung in einem auf die Bedürfnisse der Menschen mit kognitiven Einschränkungen abgestimmten Rahmen (z. B. der direkte Kontakt oder die sinnliche Auseinandersetzung mit Gegenständen)
  • zeitlich begrenzte Dauer der Museumsführung.

Die Schulung für die Kunstvermittler wird unter der Leitung des Demenz-Servicezentrums Region Südwestfalen mit verschiedenen Kooperationspartnern durchgeführt. 

Museums-Momente im Museum Wilnsdorf

Seit 2014 bietet das Museum Wilnsdorf das Angebot "Museums-Momente" mit regelmäßigen Führungen jeden ersten Dienstag im Monat für Mesnchen mit kognitiven Einschränkungen und ihre Begleitpersonen an. Die Schirmherrin ist Christa Schuppler, Bürgermeisterin der Gemeinde Wilnsdorf.

Das Angebot wurde im Jahr 2014 mit dem 2. Platz beim Zukunftspreis Siegen-Wittgenstein 2013 ausgezeichnet.

Weitere Informationen zu den Führungen erhalten Sie beim Museum Wilnsdorf unter der Telefonnummer: 02739 802211 oder museum@wilnsdorf.de.

Museums-Momente im Museum für Gegenwartskunst in Siegen

Seit 2016 bietet das Museum für Gegenwartskunst in Siegen das Angebot "Museums-Momente" mit regelmäßigen Führungen jeden ersten Mittwoch im Monat für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und ihre Begleitpersonen an. Der Schirmherr ist Steffen Mues, Bürgermeister der Stadt Siegen.

Weitere Informationen zu den Führungen erhalten Sie beim Museum für Gegenwartskunst Siegen unter der Telefonnummer 0271 4057710 oder info@mgk-siegen.de.

Museums-Momente im Technikmuseum Freudenberg

Seit 2016 bietet das Technikmuseum Freudenberg das Angebot "Museums-Momente" mit regelmäßigen Führungen (gerne nach individueller Vereinbarung) für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und ihre Begleitpersonen an. Die Schirmherrin ist Nicole Reschke, Bürgermeisterin der Stadt Freudenberg.

Weitere Informationen zu den Führungen erhalten Sie beim Technikmuseum Freudenberg unter der Telefonnummer 02734 3248 oder info@technikmuseum-freudenberg.de.